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25. Mai 2020: WAS BEDEUTET BILDUNGSGERECHTIGKEIT EIGENTLICH?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt und mussten feststellen, dass die Antworten darauf ganz schön vielfältig und komplex sind. In einem kurzen Video versuchen wir den Begriff ein wenig greifbarer zu machen.

Literaturempfehlungen:

 

journal für schulentwicklung (2016) 20,1: Equity

Stojanov, Krassimir (2011): Bildungsgrerechtigkeit. Rekonstruktion eines umkämpften Begriffs

El-Mafaalani, Aladin (2020): Mythos Bildung


18. Mai 2020: WARUM BESCHÄFTIGEN WIR UNS MIT BILDUNGSGERECHTIGKEIT?

Verwendete Literatur:

 

Bonefeld, Meike & Dickhäuser Oliver (2019): Gleiche Noten für Gleiche Leistung?

 

Klemm, Klaus & Rolff, Hans-Günter (2016): Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit - Wortspiele oder Gesellschaftspolitik?

 

Krell, Claudia, Oldemeier Kerstin (2017): Coming­out – und dann...?! Coming­out­Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwu­len, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland.

 

Kracke, Nancy et al. (2018): Beteiligung an Hochschulbildung, Chancen(un)gleichheit in Deutschland.

 

Krell, Claudia (2013): Lebenssituationen und Diskriminierungserfahrungen von homosexuellen Jugendlichen in Deutschland.

 

Lange, Valerie (2017): Inklusive Bildung in Deutschland.

 

Middendorff, Elke et al. (2013): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012.

Spätestens seit PISA wissen wir: Die Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist wesentlich stärker als in anderen OECD-Staaten. Die Schule als staatliche Bildungsinstitution muss jedoch ein Ort sein, der soziale Ungleichheiten nicht verstärkt, sondern abbaut.

 

Das sehen wir zurzeit nicht. Dabei fordert das Berliner Schulgesetz genau das: 

Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige, diskriminierungsfreie schulische Bildung und Erziehung ungeachtet insbesondere einer möglichen Behinderung, der ethnischen Herkunft, einer rassistischen Zuschreibung, des Geschlechts, der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, des Glauben, der religiösen oder politischen Anschauungen, der Sprache, der Nationalität, der sozialen und familiären Herkunft seiner selbst und seiner Erziehungsberechtigten oder aus vergleichbaren Gründen.

(Berliner Schulgesetz, §2 Absatz 1)

 

Was stattdessen Studien immer wieder bestätigen: Bildungserfolg hängt weniger an Faktoren wie Leistung und Fleiß, wie es vermittelt wird, es hängt an Faktoren, die nicht in den Händen der Schüler*innen liegen:

Von 100 Kindern aus Akademiker*innenfamilien beginnen durchschnittlich 79 ein Studium, bei Nicht-Akademiker*innenfamilien sind es nur 27. In Sachsen-Anhalt erlangen 37% das Abitur, in Baden-Württemberg sind es 79%. Ein Junge namens Max bekommt für die gleiche Leistung bessere Noten als sein Mitschüler Murat.  14% der Schüler*innen aus Familien mit Migrationsgeschichte (in dem Beispiel sind beide Elternteil nicht in Deutschland geboren) bekommen eine Studienzulassung, bei Schüler*innen aus Familien ohne Migrationsgeschichte sind es drei mal soviel. Mädchen erzielen in der Schule, auch wenn sich Mädchen und Jungen in den letzten Jahren angenähert haben, schlechtere Leistungen in Mathe. Und Frauen stellen eine signifikante Minderheit in naturwissenschaftlichen Studiengängen dar. In den Ingenieurwissenschaften sind es 9%. 55% aller LGBTQI* Schüler*innen haben in der Schule Beschimpfungen und Beleidigungen erlebt. Trotz der Inklusionsbestrebungen seit mehr als 10 Jahren besuchen nur 37% der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf allgemeinbildende Schulen.

 

Wir sehen: Machtverhältnisse wie Rassismus, (Hetero-)Sexismus, Ableismus, Klassismus Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus, Adultismus und weitere prägen die Bildungskarrieren von zahlreichen Kindern und Jugendlichen. 

Die Beispiele hier können nur einen kleinen Ausschnitt der Diskriminierungen darstellen, den Schüler*innen an deutschen Schulen ausgesetzt sind und beziehen sich jeweils nur auf ein isoliertes Diskriminierungsmerkmal - diese müssen jedoch zusätzlich intersektional betrachtet werden. 

Vor allem sollen diese Beispiele aber zeigen:  Die deutsche Schule hat ein Problem - mit Diskriminierungen, Ungleichheit und der Reproduktion dieser. 

(Angehende) Lehrer*innen, die mehrheitlich weiß sind und akademisch geprägt wurden, sollten diese Bildungsungerechtigkeiten reflektieren und zu einer Veränderung beitragen. Gleichzeitig muss das deutsche Schulsystem strukturell darauf reagieren und Verantwortung übernehmen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen.

 

Wie geht’s weiter?

Wir werden versuchen nach und nach Begriffe zu klären, die heute gefallen sind. Wir wollen Fragen stellen und versuchen einige zu beantworten: Was ist Bildungsgerechtigkeit eigentlich? Was ist Intersektionalität und was ist Klassismus? Und was hat das alles mit Schule zu tun? 

 

Wir möchten aber auch eure Perspektive hören! Welche Fragen habt ihr an das Thema Bildungsgerechtigkeit? Was beschäftigt euch? Was interessiert euch besonders?



TEASER VOM 9. MAI 2020

Das Lehramtsfestival 2020 - Gemeinsam für Bildungsgerechtigkeit würde sich nun schon langsam dem Ende nähern. Tupoka Ogette und Francis Seeck hätten gestern Abend bereits ihre Vorträge zu Rassismus und Klassismus in der Schule gehalten, Aladin El-Mafaalani hätte den heutigen Festivaltag eröffnet und ihr würdet gerade im letzten Workshop des Tages sitzen. 

Doch wie ihr wisst: Es kam ganz anders. Aufgrund der derzeitigen Situation mussten wir das Festival schweren Herzens verschieben. Wir haben uns seitdem ein paar Tage Zeit genommen, um diesen Entschluss zu verdauen und uns so langsam darauf eingestellt, dass es wohl Lehramtsfestival 2021 heißen wird…

 

Doch die Enttäuschung hielt nicht lang, denn uns wurde schnell klar: Bildungsungerechtigkeit wirkt trotz Ausnahmesituation - oder gerade wegen der Ausnahmesituation? In den letzten Wochen haben auch wir immer wieder von Bildungsungerechtigkeiten gelesen, die nun vermeintlich durch Covid-19 und Homeschooling entstehen: Schüler*innen haben unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Unterstützung und Ausstattungen zu Hause. 

Wir denken: Diese besondere Situation lässt nicht nur neue Ungerechtigkeiten entstehen, sondern verstärkt vor allem die bereits bestehenden!

Auch deshalb möchten wir nicht bis zum Festival warten, um auf das für uns und für die derzeitige Situation in Deutschlands Bildungslandschaft wichtige Thema aufmerksam zu machen. Deswegen haben wir uns zur Überbrückung bis zum Festival selbst überlegt, die die Digitalisierungswelle zu nutzen und eine Beitragsreihe ins Leben zu rufen! 

Mit “Gemeinsam für Bildungsgerechtigkeit - Immer montags” sollen auf unseren Social Media Kanälen Inhalte und Beiträge rund um Bildungsgerechtigkeit und verwandten Thema mit euch geteilt werden. Wir wollen verschiedene Perspektiven sichtbar machen, Initiativen, die großartige Arbeit leisten, vorstellen, Projekte, Texte, Videos, Podcasts sowie Onlineformate mit euch teilen und uns so - gemeinsam mit euch - thematisch auf das Lehramtsfestival einstimmen.

Und vor allem wollen wir Fragen aufwerfen:

- Was ist Bildungsgerechtigkeit eigentlich und welchen sichtbaren und unsichtbaren Hürden begegnen Schüler*innen in ihrer Bildungsbiografie?

- Gibt es Lernmaterialien, die Diversität widerspiegeln und Diskriminierung so aktiv nicht reproduzieren?

- Welche Rolle spielen Privilegien von Lehrer*innen in Bezug auf Bildungsgerechtigkeit?

 

Diesen und weiteren Fragen, Themen und Aspekten wollen wir uns widmen.

Ab sofort: Immer montags!

 

Wir starten am Montag, den 18. Mai mit unserem ersten Themenbereich, der als ersten Schritt ins Thema einführen und sich einigen fundamentalen Fragen widmen soll: Warum ist Bildungsgerechtigkeit nicht gegeben? Warum ist Bildungsgerechtigkeit so relevant? 

Wir freuen uns auf die kommenden Wochen und Themen, darauf mit euch ins Gespräch zu kommen, freuen uns also auf eure Reaktionen und Beteiligung und hoffen, dass ihr dabei seid!