PROGRAMM

DAS LEHRAMTSFESTIVAL WIRD AUFGRUND VON COVID-19 NICHT AM 08. UND 09. MAI STATTFINDEN. WENN DER NEUE TERMIN FESTSTEHT, INFORMIEREN WIR HIER AUF DER WEBSITE UND ALLEN SOCIAL-MEDIA KANÄLEN.


Das Programm wird laufend aktualisiert... (Stand 12.02.2020).
Alle Infos findest du auch im ANMELDEFORMULAR.



Warum veranstalten wir das Lehramtsfestival 2020?

Im Rahmen des zum vierten Mal stattfindenden Lehramtsfestivals wagen wir eine Neuerung: Nachdem wir in den letzten Jahren allgemein danach gefragt haben, wie die Lehrkräftebildung ergänzt werden kann, setzen wir mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit zum ersten Mal einen thematischen Schwerpunkt. 

Das Berliner Schulgesetz formuliert folgenden Anspruch an schulische Bildung: 

“Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige, diskriminierungsfreie schulische Bildung und Erziehung ungeachtet insbesondere einer möglichen Behinderung, der ethnischen Herkunft, einer rassistischen Zuschreibung, des Geschlechts, der Geschlechtsidentität, der sexuellen Orientierung, des Glauben, der religiösen oder politischen Anschauungen, der Sprache, der Nationalität, der sozialen und familiären Herkunft seiner selbst und seiner Erziehungsberechtigten oder aus vergleichbaren Gründen.”

(Berliner Schulgesetz, §2 Absatz 1)

 

Verschiedene Studien und Untersuchungen zeigen jedoch, dass dieser Anspruch nicht erfüllt wird. Im Gegenteil: Das deutsche Bildungssystem verstärkt die Ungleichheit zurzeit eher und Schulen sind Orte, in denen Schüler*innen nicht nur keine Bildungsgerechtigkeit erleben, sondern Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren müssen. 

Bildungsteilhabe und Schulerfolg hängen in Deutschland zum Beispiel in hohem Maße mit der sozialen Herkunft zusammen. Das Ergebnis einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ist alarmierend: Von 100 Kindern aus Akademiker*innenfamilien beginnen durchschnittlich 79 ein Studium, bei Nicht-Akadamiker*innenfamilien sind es nur 27. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die soziale Herkunft für die Schulerfahrungen von Schüler*innen relevant ist und dass u.a. Klassismus Bildungsgerechtigkeit verhindert. Auch wenn die soziale Herkunft häufig im Fokus der öffentlichen Debatte steht, stellt sie nur ein Diskriminierungsmerkmal dar: Die Achsen der Ungleichheit sind jedoch vielfältig, können Wechselwirkungen unterliegen und somit Benachteiligung verstärken. Weitere gesellschaftliche Machtverhältnisse wie Rassismus, (Hetero-)Sexismus, Ableismus, Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus, Adultismus und weitere prägen die Bildungskarrieren von zahlreichen Kindern und Jugendlichen.

Schule als staatliche Bildungsinstitution muss jedoch ein Ort sein, der soziale Ungleichheiten nicht verstärkt, sondern abbaut und dafür aktiv die vorhandenen Einflussmöglichkeiten und Handlungsspielräume nutzt. 

Wir finden es unerlässlich, dass angehende Lehrer*innen, die mehrheitlich weiß sind und akademisch geprägt wurden, die Wirkmächtigkeit von Selektionsmechanismen und gesellschaftlichen Machtstrukturen sowie die Funktionen des Bildungssystems reflektieren. Sie müssen Verantwortung für die Bildungschancen ihrer Schüler*innen übernehmen und ihren Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. 

Als studentische Initiative, die sich mit der Gestaltung der Lehrkräftebildung auseinandersetzt, ist es uns deshalb ein Anliegen, das Thema Bildungsgerechtigkeit auf dem Lehramtsfestival in den Fokus zu rücken.